Labor WagnerStibbe

Kosten- und Leistungscontrolling

Dr. Dr. Helmut Wagner ist Gründer und Geschäftsführer eines seit vielen Jahren kontinuierlich und dynamisch wachsenden Labor­unternehmens, der Ärztlichen Partnerschaft Wagner Stibbe. Im Gespräch mit Dr. Nicolas Bissantz vermittelt er die Erfahrungen seines Labors mit der Einführung und dem Betrieb seines Aktiven Management­informationssystems.

Bissantz Ihr Engagement für eine tiefgehende Durchdringung Ihres Unter­nehmens mit Controllinginstrumenten wie unserem DeltaMaster hat selbst uns ein wenig überrascht. Ihre Branche ist uns bisher nicht als "controlling-affin" aufgefallen.

Wagner Das mag durchaus sein. Ich schwimme auch im Kreis meiner Kolle­gen gern einmal gegen den Strom. Wie auch immer, in unserem Bereich können wir uns der Erkenntnis nicht länger verschließen, dass nur größere Transparenz uns hilft, am Ball zu bleiben. Die Rahmenbedingungen für uns sind in den letzten Jahren harsch geworden. Allerdings sind wir ja alle in erster Linie Mediziner. Auch mich hat es Anstrengungen gekostet, betriebswirt­schaftliches Denken und Handeln in Fleisch und Blut übergehen zu lassen.

Bissantz Können Sie den Lesern unseres Anwenderforums etwas zur Zielsetzung des Projektes sagen?

Wagner Mein Projektziel war an erster Stelle Transparenz, Transparenz, Transparenz. Wir haben pro Jahr etwa X Aufträge mit Y Einzelpositionen. Erst wenn ich einen genauen Überblick habe, in welchen Bereichen ich Deckungs­beiträge erziele und wo nicht, kann ich beginnen, über wirtschaftliche Maß­nahmen nachzudenken und meiner eigentlichen Steuerungsaufgabe gerecht werden.

Daneben war mir wichtig, die interne Kommunikation zu verbessern. Wenn ich will, dass meine Mitarbeiter mitdenken bei einer wirtschaftlichen Gestaltung unseres gesamten Leistungsprozesses, dann müssen sie verstehen, worum es geht, und an Zahlen sehen, was es fürs Ergebnis bedeutet, wenn wir in einzelnen Leistungsbereichen schneller und effizienter werden.

Bissantz Beim Werkzeughersteller wolfcraft oder den Bayerischen Landes­häfen, beides auch mittelständische Unternehmen, ging es auch um eine Rollenänderung für die Mitarbeiter. Wie ist das in Ihrem Haus?

Wagner Das war definitiv auch unser Ziel. Mein mittleres Management sollte Werkzeuge bekommen, die unser Handeln objektivieren und Unsicherheiten abbauen. Wir sind in den letzten Jahren stark gewachsen. Zuletzt haben wir durch Übernahmen und Zukäufe die Unternehmensgruppe deutlich vergrößert. Als Konsequenz verbringe ich persönlich meine Tage immer mehr "on the road". Sie können sich vorstellen, wie wichtig mir Delegation und die Verlage­rung von Verantwortung auf mehr Schultern sind. Meine Manager sollen auf sicherem Fundament notwendige Handlungen selbst ableiten können. Die Mehrstufigkeit von DeltaMaster kam uns dabei sehr gelegen. Ganz im Ernst: Als wir noch kleiner waren, konnte ich vieles "aus dem Bauch heraus" steuern. Das geht heute nicht mehr. Auf meiner Ebene sind jetzt aussage­kräftige Reports wichtig, die mir möglichst kompakt zeigen, was los ist bei uns. Das mittlere Management hingegen muss tiefer in die Daten hinein, die Wirkung von Handlungsalternativen simulieren usw. Kompliment. Das bilden wir alles mit einem Tool, eben Ihrem DeltaMaster ab.

Bissantz Welchen Rat würden Sie Unternehmen in Ihrer Situation geben, was können Sie aus Ihrem Vorgehen lernen?

Wagner Zunächst noch ein Kompliment. Wie Ihre Mannschaft sich in unser doch recht komplexes Thema, das mehr als 2500 Laborverfahren umfasst, eingearbeitet hat, verdient höchstes Lob. Und trotz der innovativen Themen, die Sie bearbeiten, tritt Ihr Haus nach außen bescheiden und konservativ im guten Sinne auf. Was kann man lernen? Nun, zunächst hatten wir ja einige schlechte Erfahrungen gemacht, das Thema Informationsversorgung zu umfassend anzugehen. Sie nannten das, glaube ich, den Data-Warehouse-Ansatz und kritisierten das. Man wird niemals fertig damit und lässt sich auf ein kaum überschaubares, kostspieliges Unterfangen ein. Mir hat Ihr Data-Mart-Ansatz gefallen: Ein Thema nach dem anderen, sehr robust und man hat auf der Strecke immer wieder Erfolgserlebnisse. Das ist natürlich immens wichtig, um auch intern meine Leute auf einen gemeinsamen Kurs zu bringen.

Bissantz Wagen Sie einen Ausblick auf die Zukunft der Lösung?

Wagner Inzwischen sind wir soweit, dass wir gerne und selbstbewusst auch als Outsourcingpartner oder Dienstleister für Laborinformationssysteme auftreten. Und wenn es Ihnen gelingt, das komplexe Thema softwareseitig noch einfacher zu gestalten, dann ist das eine große Hilfe, wobei ich mir der Tatsache bewusst bin, das schwierige Themen nicht unendlich vereinfacht werden können. Und anspruchsvolle Datenanalyse ist ein schwieriges Thema. Immerhin ist ja meine Frau, die einen ganz anderen Background hat, in der Lage, bei uns die Rolle eines Datenanalyseredakteurs auszufüllen.

Bissantz Herr Dr. Wagner, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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