Galileos Pferd oder: Unschuldige Daten gibt es nicht

Aus der Beschäftigung mit Fragen der Skalierung wurde deutlich, dass es eine absichtsfreie oder generell korrekte Darstellung von Daten nicht gibt. Form und Zweck sind untrennbar miteinander verbunden.

Das gilt auch für die Verwendung von Prozentuierungen. Angenommen wir vergleichen Unternehmen GROSS und KLEIN. KLEIN steigerte seinen Jahresumsatz von 10 auf 20 M., GROSS von 40 auf 70 M.

Beide Aussagen sind richtig:

KLEIN erhöhte seinen Umsatz um 10 M., GROSS um 30 M. und damit das Dreifache der Steigerung von KLEIN.

KLEIN gelang eine Ausweitung des Umsatzes um 100%, GROSS um 75% und damit ¾ der Steigerung, die KLEIN erzielte.

Beide Aussagen treffen kausale Annahmen. Im Fall von B hält man es für unfair, verschieden große Unternehmen in absoluten Zahlen zu vergleichen. Man unterstellt, dass Größe einen Einfluss auf die absolute Umsatzausweitung hat. Diesen Einfluss egalisiert die relative Betrachtung.

Im Fall von Aussage A wiederum nimmt man implizit an, dass sich die Kunden nicht an der Größe des Unternehmens orientieren, sondern z.B. nur an der wahrgenommenen Qualität der erbrachten Leistung. Eine solche Annahme mag unter Umständen für Architekten gelten. Ihr Honorar ist maßgeblich von der Bausumme abhängig.

Auch Galileo beschäftigten derartige Fragen. Ein Pferd, dessen objektiver Wert bei 100 lag, wurde von einem Experten auf den Wert 10, von einem zweiten auf den Wert 1000 taxiert. Galileo hielt die Abweichungen für äquidistant: 1000_100=100:10. Andere Beteiligte an dem wissenschaftlichen Disput erklärten die Abweichung nach oben für größer, da die Differenz nach oben 900, nach unten aber nur 90 betrug.

Wie immer sehen wir: es kommt darauf an.