Erkenntnisschönheit der Vorstandsvergütung

Vorstandsgehälter werden heiß diskutiert. Zahlen dazu mal in die eine, mal in die andere Richtung zurechtgelegt. Gutes Informationsdesign würde die Diskussion objektivieren. Die New York Times zeigt wie.

Klagen und Lamentieren ist leicht. Und Beispiele für schlechtes Informationsdesign gibt es mehr, als einem lieb sein kann. Umso schöner, wenn man unverhofft auf eine solche Datenschönheit wie dieses Exemplar aus der New York Times stößt.


Ausschnitt aus der New York Times, zum Vergrößern auf das Bild klicken.

Nicht umsonst trägt das aktuelle Werk von Edward Tufte den Titel Beautiful Evidence. Das kann nur sehr unzureichend mit Erkenntnisschönheit übersetzt werden. Sie entsteht dann, wenn etwas nicht deswegen gefällig ist, weil es unseren Sinn für Ästhetik anspricht, sondern weil es die Freude des Verstehens und Lernens auslöst. Das tut es dann, wenn alles zum Verstehen Notwendige in geeigneter Form präsentiert wird, so wie das schon bei den 8 Geboten guter Visualisierung beschrieben wurde. Mit der Fähigkeit uns kindlich am Lernen zu freuen, sind wir reichlich ausgestattet, anders ist unsere Evolution nicht vorstellbar.

Die Grafik der New York Times untersucht den Zusammenhang zwischen Aktienkursentwicklung und der Vergütung der US-amerikanischen Vorstandsvorsitzenden. Sie tut das transparent, datendicht und inhaltsreich. Sie kombiniert Zahlen, Grafik, Text wie Galileo Galilei es getan hätte. Sie belohnt intensives Studium. Sie ist faktenreich und objektiviert die Fragestellung mit Engagement. Sie ist so reich schattiert, wie die Realität nun einmal ist. Ein Teil der Vergütungen folgt einem Korridor, der einen sinnhaften Zusammenhang zwischen Unternehmenserfolg und Vergütung herstellt. Ein anderer Teil spiegelt Überbezahlung, ein wieder anderer Unterbezahlung wider. Zumindest dann, wenn ausschließlich der Aktienkurs als Maßstab gelten soll. Bekanntlich eine schwierige Frage.

Weil die Frage nach angemessener Vergütung auch sonst schwierig ist, sind Ausreißer mit Informationen zu möglichen Gründen hinterlegt. Insgesamt enthält die Grafik sich der Wertung eines komplexen Zusammenhangs. Mit Hilfe des Korridors versucht sie, eine Generalaussage abzuleiten und zeigt gleichzeitig deren Grenzen. Der Leser wird informiert und nicht manipuliert.