The Wall (Teil II)

Beim letzten Mal hatten wir das Geheimnis um unsere Monitorwand gelüftet. Heute gehen wir einen Raum weiter und zeigen, was man noch mit wandfüllenden Bildschirmgrößen anstellen kann. Außer den PowerPoint-Jungs die Schau zu stehlen.

In den meisten Unternehmen hat man sich an die Grenzen des Computerbild­schirms gewöhnt. Was nicht darauf passt, wird nicht nebeneinander gestellt. Selbstredend könnte man das mit Papier bewerkstelligen. Die Auflösung von Papier ist viel höher als die eines Bildschirms. Der dazu nötige Aufwand ist aber hoch: Wir müssen mit dem Bildschirm eine Druckseite erstellen, die nicht auf den Bildschirm passt. Wir müssen verkleinern, vergrößern, schieben und blättern. Sehr mühsam.

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Der weltweit aggressivste Autohersteller investiert massiv in mehr Auflösung – im Marketing und in der Unternehmenssteuerung.

Diese missliche Situation hat sich verändert. Große Bildschirme sind flacher und billiger geworden. Für dasselbe Geld bringen wir mehr Bildschirmfläche auf Schreibtische und Bürowände. Das ist eine gute Nachricht für unser Auge-Hirn-System, das mühelos große Pixelmengen überblicken kann – und für unsere Hardware-Budgets. Im März 2008 blickte ich noch neidisch zu den Raumfahrern. Bei kritischen technischen Missionen darf die gleichzeitig zu überblickende Informationsmenge nicht der Engpass sein. Also statten Raum­fahrtkontrollzentren ihre Kontrollräume mit möglichst vielen, möglichst großen Monitoren aus. Elektrizitätswerke, Fernsehsender, Verkehrsleit- und Notruf­zentralen tun das auch.

Nur zu gerne hätten wir damals so etwas für die Steuerung des eigenen Unternehmens gemacht. Allein: Die Ansteuerung von 6 oder 9 Monitoren durch einen PC war mangels Grafikhardware nicht möglich. Der parallele Einsatz mehrerer PCs für eine Monitorwand wiederum wäre kompliziert und teuer gewesen und hätte keinen Vorbildcharakter für unsere Klientel gehabt. Wir mussten die Sache nicht lange aufschieben: Die Entwicklung bei Grafik­karten machte einen Sprung nach vorn. Plötzlich ließen sich bis zu 16 Monitore von einem einzigen PC aus ansteuern, und das zu vernünftigen Kosten. Wir machten uns ans Werk.

Besonderen Schwung hat uns ein Bericht über Hyundai gegeben, in der Fortune vom Januar 2010. Die Koreaner haben sich entschlossen, ihre Marktanteile aggressiv auszubauen, mithilfe einer massiven Qualitäts­offensive. Sie unterstützen das mit einem „Global Command and Control Center“. Darin werden die weltweiten Tätigkeiten des Konzerns überwacht, rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Dutzende von Computerbild­schirmen zeigen Bilder, Videos und Daten. Teilesendungen werden vom Lieferanten bis zum Eintreffen in der Fertigungsanlage verfolgt, Kameras zeigen die Montagestraßen, überwachen die Forschung und Entwicklung in Europa, Japan und Nordamerika und sogar die Testfahrten. Na also – wer am Markt etwas erreichen will, setzt auf Auflösung in seiner betriebswirtschaft­lichen Steuerung.

Auch im Marketing kleckert Hyundai übrigens nicht mit der Auflösung: Am Frankfurter Flughafen plakatierten die Autobauer über mehrere Hundert Meter einen Bauzaun. Im Stop-and-go rollte ich mehrfach daran entlang. Die Wind­schutzscheibe meines Wagens wurde zur Werbefilmleinwand.

DeltaMaster Gate bei Bissantz & Company
Unser „Control Center“: Eine Bildschirmwand aus sechs Monitoren mit einem Datenstrom in Echtzeit aus CRM, Support und Entwicklung.

Im Frühjahr 2010 ging unser eigenes Echtzeit-Controlling in Betrieb. Alle Informationen über unsere täglichen Aktivitäten laufen auf sechs Monitoren zusammen. Die Daten aus CRM, Support und Entwicklung liefert unsere Software DeltaMaster Gate. Das System mischt textuelle und statistische Informationen. Pro Tag werden etwa 1.000 Ereignisse neu angezeigt. Die Gestaltung lässt es zu, dass ein flüchtiger Blick und ein Überfliegen kurzer Textpassagen genügt, um das Unternehmensgeschehen in überraschender Detailtiefe aufzunehmen. Soweit, so gut.

Bei einem Vortrag für den ICV äußerte ich die These: Erkenntnisse aus Kennzahlen werden überschätzt und Erkenntnisse aus Details zum betrieblichen Geschehen werden unterschätzt. Wie ist das nun? Haben unsere Erfahrungen das bestätigen können? Ja! Und zwar so eindrücklich, dass wir beim Essen noch mehr Appetit bekamen. Wie wir den befriedigen, erklären wir das nächste Mal.

Für heute halten wir fest: Insgesamt hat unser „Control Center“ unser Management noch näher ans operative Geschehen gebracht. Das Ergebnis: Als Unternehmen sind wir Mittelstand, in der Verzahnung des Managements mit dem Tagesgeschehen wieder Kleinbetrieb. Das finden wir gut.