Wer die DeltaApp zum ersten Mal sieht, nimmt zunächst ihre Oberfläche wahr: klare Flächen, zwei Farben, große und kleine Zahlen. Alles wirkt ruhig, fast selbstverständlich. Genau darin liegt jedoch ein mögliches Missverständnis. Denn was hier sichtbar wird, ist kein neues Interface, sondern eine grundlegend andere Auffassung davon, wie Business Intelligence funktionieren kann.
„Business Intelligence scheitert selten an Daten“, sagt Dr. Nicolas Bissantz. „Sie scheitert daran, dass Zahlen keine Wirkung entfalten.“ Deshalb ist Design kein ästhetisches Beiwerk, sondern der funktionale Kern moderner Analytics: das Element, das darüber entscheidet, ob Zahlen gesehen, verstanden und im Alltag tatsächlich handlungsleitend werden.
Viele Daten, wenig Orientierung
In vielen Unternehmen zeigt sich eine ähnliche Ausgangslage. Daten sind im Überfluss vorhanden, Berichte ebenso, doch die knappe Ressource ist Aufmerksamkeit. Tabellen, Dashboards und Excel-Varianten liefern Informationen, beantworten aber oft nicht die einfachen Fragen, auf die es im Alltag ankommt: Was läuft gut? Was nicht? Und wo sollten wir genauer hinschauen?
So besteht das Problem nicht darin, dass „Menschen Zahlen nicht verstehen“, sagt Dr. Fabian Rossi, „sondern dass wir ihnen zu viele gleichzeitig zeigen und alle gleichbehandeln.“ Denn wo alles gleich aussieht, fällt wenig auf. Informationen bleiben vorhanden, werden jedoch selten als klare Signale wahrgenommen.
Von Zahlen zu Signalen
Genau hier setzt die DeltaApp an und versteht Analytics als geführten Prozess. Sie lenkt den Blick dorthin, wo Entscheidungen nötig sind. Zahlen werden nicht nur dargestellt, sondern konsequent in Beziehung gesetzt – zur Zeit, zum Ziel und zur Struktur.
„Eine Zahl für sich genommen bleibt abstrakt“, so Bissantz. „Erst im Vergleich entsteht Bedeutung und daraus Orientierung.“
Typografisch skalierte Zahlen hingegen zeigen Relevanz, noch bevor wir bewusst lesen: Groß ist wichtiger als klein, kräftig dringlicher als blass. Die Farbwelt ist bewusst reduziert: Blau und Rot stehen für Richtung und Wirkung, nicht für Kategorien, sondern für Konsequenz in der Darstellung von Werten.
„Ambivalenz ist der Feind von Entscheidungen“, sagt Dr. Fabian Rossi. „Deshalb gibt es bei uns kein ‚vielleicht‘ in der Darstellung – nur Richtung und Stärke.“
Sparklines integrieren Zeitverläufe direkt in Tabellen. Entwicklungen werden sichtbar, ohne den Blickfluss zu unterbrechen. Man beginnt bei der wichtigsten Zahl und geht schrittweise in die Tiefe, während der Kontext erhalten bleibt und der Blick zunehmend präziser wird.
Perceptual Design: Wahrnehmung als Ausgangspunkt
Der wichtigste Nutzer der DeltaApp ist daher zunächst nicht CFO oder Controller, sondern das menschliche Gehirn. „Deshalb bauen wir BI-Systeme aus der Perspektive der Wahrnehmung.“
Diese Perspektive ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit: langjährige Kooperationen mit dem renommierten Hirnforscher Prof. Gerald Roth oder die Zusammenarbeit mit Menschen, die beruflich unter hohem Entscheidungsdruck richtig handeln müssen, wie dem Rennfahrer Hans-Joachim Stuck oder dem Champions League Schiedsrichter Deniz Aytekin. Die Erkenntnisse daraus sind eindeutig und richtungsweisend: Das Arbeitsgedächtnis ist begrenzt, Sehen kein neutrales Abbild, sondern ein selektiver Prozess. Komplexe, visuell überladene Oberflächen verbrauchen genau die Ressourcen, die wir für Denken benötigen.
„Jedes unnötige visuelle Element kostet kognitive Energie“, formuliert Rossi. Komplexität zu reduzieren ist deshalb kein Stilmittel, sondern eine funktionale Voraussetzung.
Die DeltaApp nutzt konsequent die Stärken der Wahrnehmung: Kontraste, Mustererkennung, Vergleich. Reduktion ist dabei kein Stilmittel, sondern funktionale Notwendigkeit.
Zwei Rollen, eine gemeinsame Sicht
In der Praxis wird die DeltaApp vor allem von zwei Gruppen genutzt. Entscheiderinnen und Entscheider brauchen schnelle Orientierung. Sie müssen Abweichungen erkennen, ohne sich durch Details zu arbeiten. Genau diesen verdichteten Überblick bietet ihnen die DeltaApp, wobei Drill-downs durch einfache Gesten möglich sind, aber nicht zwingend nötig.
Controlling- und BI-Teams profitieren von einer anderen Qualität: einer gemeinsamen, konsistenten Darstellung. Eine Logik, eine Sprache, eine Sicht auf die Daten. Das reduziert Reibung, senkt Fehlerquoten und verlagert den Fokus von Rechtfertigung zu Analyse, Interpretation und Steuerung. „Denn, wenn Controlling Zeit damit verbringt, Zahlen zu verteidigen, läuft etwas grundlegend falsch“, sagt Dr. Nicolas Bissantz.
Design als Voraussetzung guter Entscheidungen
Technologisch ist die DeltaApp zwar ein modernes Cloud-Produkt, doch Technik dient uns als Mittel zum Zweck. „Daher interessiert uns eben weniger, was technisch möglich ist“, sagt Rossi, „sondern was kognitiv sinnvoll ist.“
Dass diese Haltung vielfach international ausgezeichnet wurde, zuletzt mit dem German Design Award 2026, ist Anerkennung, aber nicht Ziel. „Ein Designpreis ist für uns kein Schönheitsurteil, sondern ein Hinweis darauf, dass Gestaltung ernst genommen wurde – als Voraussetzung für Verständnis, Vertrauen und bessere Entscheidungen.“
Weiterführende Informationen
Anlässlich der Verleihung des German Design Awards 2026 haben wir ein Gespräch mit Dr. Nicolas Bissantz und Dr. Fabian Rossi über Design, Forschung und datengetriebene Entscheidungen geführt. Den vollständigen Beitrag finden Sie im Blog.
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